DJ Xandl – Der Herr der Stimmung in der Trofana Alm

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Ein Gespräch über Ängste und Sorgen, die Liebe zu den Bergen und der Vorfreude, bald mit uns wieder da zu stehen, wo wir hin wollen und es wieder heisst: “Alle machen mit..die Hände nach vorne…”Auffe aufn Berg..”

Das kollektive Ischgl-Gefühl

Trofana Alm / Ischgl, kurz vor 20:00 Uhr. Der Apres Ski tobt seit 4 Stunden und strebt mit wummerndem Party-Schlager und krachenden Beats den Höhepunkt an. Hier, nach dem Skifahren, schalten die Menschen weiter ab, geben sich der Musik hin, feiern, vergessen die Zeit. Hier geht es nicht drum, sich sinn- und besinnungslos zu betrinken. Hier, in der Trofana, geht es um die untrennbare Einheit – dem Skifahren und dem was danach kommt, der Trofana Alm – einer Einheit, die einen unvergesslichen Tag zu einem perfekten Tag macht. Einem kollektiven Ischgl-Gefühl.

Der Sog der Tracks

Der Schöpfer und Herr dieses Gefühls in der Trofana Alm – Xandl. Während zuckendes Licht die Trofana durchbricht, sich die Massen mitgerissen vom Strom der Musik bewegen und sich wehrlos dem Sog der Apres-Ski-Track-List aussetzen, steht er da auf seiner Empore. Und spätestens, wenn er seine Trillerpfeife in den Mund nimmt und die “Meute” auffordert, die Hände nach vorne zu strecken – “Alle machen mit ruft er..alle machen mit”, dann weiss ausnahmslos ein Jeder: “Jetzt geht es mit der kompletten Trofana “Auffe aufn Berg”

Aus und vorbei

Doch damit ist es vorbei!. Ischgl traf ein abruptes Saisonende am 14. März 2020. Mit einem mal ist es weg, das Gefühl auf der Empore zu stehen und “Chef” über Stimmungen zu sein. Aus und vorbei. Und nicht nur das Skigebiet hatte geschlossen, sondern die Trofana wurde gar komplett abgerissen und befindet sich im Neuaufbau. Es sei hier erwähnt, dass dies in keinem Zusammenhang mit der coronabedingten Schließung zu tun hat. Der Plan, die Trofana, die alte Instanz des absoluten Frohsinns, neu zu gestalten und aufzubauen bestand bereits im Vorfeld. Und soviel sei hier schon mal verraten: Es wird ein Traum!

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Gespräch mit Xandl

Doch was macht nun einer, bei dem man spüren konnte, dass dies sein Leben war? Wie ergeht es einem “Massenbeweger”, einem Entertainer, wenn es nichts mehr zu bewegen gibt? Alpen247 hat Xandl getroffen und mit ihm gesprochen. Gesprochen über Sehnsucht, Zuversicht, Ängste und die neugefundene Liebe zu den Bergen.

Lieber Xandl, zuerst die wichtigste Frage: Bist du gut durch die Corona-Monate gekommen oder hat es dich mit dem Virus auch erwischt?

Ja, leider bin auch ich nicht verschont geblieben. Doch ausser, dass ich das Gefühl hatte, es wären Steine auf meinem Brustkorb und etwas Husten, war es nicht dramatisch. Bin da Gott sei Dank gut durchgekommen.

Erreicht dich auch Kritik in Bezug auf Ischgl und dem, was im März vorgefallen ist? Und wenn ja, wie gehst du damit um?

Ischgl hat viel Kritik einstecken müssen. Und klar, auch zu mir persönlich ist die Kritik vorgedrungen. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Jeder weiss im Nachhinein, wie man hätte reagieren sollen. Das, was da mit der Pandemie passiert ist, war für alle neu. Niemand hat oder wollte doch ganz bewusst die Gesundheit von Menschen gefährden. Das macht doch niemand. Ich kann auch sagen, dass Ischgl als erstes von allen das Skigebiet geschlossen hat. Und immer dort, das wissen wir aber auch erst jetzt, wo sich viele Menschen versammeln, fühlt sich das Virus halt wohl. Es gab den Karneval in Deutschland im Rheinland. Da hat das Virus sicher auch gewütet. Nur geht halt da niemand zum Arzt, weil man sich nach 5 Tagen Karneval eh krank fühlt und das als normal empfindet. Was ich sagen will: Auf Ischgl hat halt alles geschaut, alle sind zum Arzt zum testen und dementsprechend war gefühlt jeder infiziert. Aber in erster Linie hätten auch die Behörden früher reagieren müssen. Aber nochmal: Für alle war es neu. So etwas hat ja noch keiner von uns – weltweit – mitgemacht.

Im Eingangstext steht es beschrieben. Du warst der Herr am Mischpult, du hattest die Massen im Griff. Die Trofana und dein “Job” waren die letzten Jahre dein Leben. Was fühlst du mit der Gewissheit, dass dies in der dagewesenen Form zumindest nicht für diese Saison zurückkehrt?

Totale Wehmut! Das tut schon weh. Ich liebe echt, dass was ich da in der Trofana tue. Und wenn man etwas liebt, und es nicht haben kann, dann ist das echt schwer. Hat was von Liebeskummer. Aber 2020 war für keinen von uns leicht. Wir müssen das alle so akzeptieren wie es ist. Es werden wieder bessere Zeiten kommen…davon bin ich überzeugt.

Was glaubst du persönlich? Wird es Apres Ski, so wir wir alle es aus der Trofana kennen, nochmals in dieser Form geben oder wird es in Zukunft alles etwas ruhiger werden, weil dies eventuell auch von den Tourismusverbänden so gewollt ist?

Wenn ich es mir aussuchen darf, dann wird es so wie wir es kennen und kannten. Insbesondere die Trofana Alm lebt von vielen Stammgästen, die Jahr für Jahr immer wieder kommen und uns hier unterstützen. Ich habe mit vielen Gästen persönlichen Kontakt, und höre immer das Gleiche: Wann geht es wieder los? Alle sind heiß auf die Trofana Party! Und ich weiss, dass wir das alle auch so wieder erleben werden. Und eines kann ich sagen: Die Partys in der neuen Trofana Alm…werden noch besser. Lasst euch da überraschen. Einschränkungen im gesamten “System” des Apres Ski`s kann es schon geben. Ich kann mir vorstellen, dass man den Wochenend-Bus-Tourismus einschränkt und dass es einfach auch keinen Alkohol an öffentlichen Plätzen mehr gibt. Aber was drin in der Trofana Alm passiert…da werden wir zur alten Stärke zurückfinden.

Die Corona-Pandemie legt ja quasi in der Kunst- und Musikbranche, wo auch die DJ`s zugehören, alles lahm. Gibt es Tage, wo du dir Sorgen machst, wo Ängste hochkommen und du dir die Frage stellst, wie das alles in Zukunft laufen soll?

Absolut. Gerade in der Anfangszeit hatte ich große Ängste, wenn einem ja tatsächlich von jetzt auf gleich der Job genommen wird. Das kam ja nicht Stück für Stück, sondern Zack…weg ist er der Job. “Wo wird das alles hinführen, wann kann ich wieder als DJ arbeiten und auflegen” habe ich mich gefragt. Und mittlerweile versuche ich da einfach positiv zu denken. Nichts Negatives zulassen. “Na der hat leicht reden” werden wohl manche sagen. Aber wenn man nur darüber nachdenkt, dass alles schlecht ist, dann wird es halt auch nicht besser. Zudem habe ich das Glück, dass ich mir die letzten Jahre etwas beiseite legen konnte, so dass ich keinen extremen finanziellen Druck verspüre, wie vielleicht andere Kollegen. Und ich weiss, dass ich mir für nichts zu schade bin. Gibt es keine Partys mehr…mache ich halt irgendwas anderes. Ich komme schon zurecht. Aber…soweit wird es nicht kommen. Unsere, eure Partys kommen..und dann sehen wir uns alle wieder in der Trofana Alm.

Wie verbringst du aktuell deine Zeit. Inwiefern hat sich dein Leben – bedingt durch die äußeren Umstände – verändert?

2020 hat sich so ziemlich alles verändert. Das Leben ist 180 Grad ein anderes. Was den Job angeht, da haben wir drüber gesprochen. Aber dann muss ich sagen, dass auch meine Freundin mit den Kindern aus dem Haus ausgezogen ist. Wir haben uns getrennt und das ist echt bitter. Das hat mich umgeschmissen. Neben diesen Sachen halt auch Dinge, die jeder mit sich rumträgt. Niemand ist frei von Sorgen, alle haben da irgendwas in der Schublade wo sie dran knabbern. Auf jeden Fall hat das auch dazu geführt, dass ich wieder angefangen habe auf mich selber zu schauen und das zu machen, was mir gut tut. Und so kam es, dass ich wieder raus bin…raus in den Wald und auf die Berge. Da gibt es nichts schöneres. Manchmal gar bis zu 35 KM am Tag zurückgelegt…von früh morgens bis spät abends..und dabei immer die Berge und das Traumpanorama vor Augen. Das ganze die letzte Zeit auch mit den Touren-Ski, jetzt wo gut Schnee liegt. Und neben dem schönen Panorama habe ich dabei auch – festhalten, Trommelwirbel – 45 KG in 3 Monaten abgenommen. Und ein paar Kilos sollen es noch werden. Doch aktuell habe ich mein Knie verletzt…kurz pausieren, und dann geht es weiter.

Lieben Dank Xandl für deine Zeit und deine offenen Worte. Wir von Alpen247 wünschen dir alles Gute, viel Gesundheit und sind sicher…sobald der erste Ton mit dir als DJ in der neuen Trofana Alm ertönt, sind wir am Start.

Bild: Facebook

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